Richtig vererben und verschenken

Richtig vererben und verschenken

Lange Zeit war es gang und gäbe, dass Eltern einen Teil ihres Vermögens bereits zu Lebzeiten auf ihre Kinder übertrugen, um die Erbschaftssteuer zu umgehen. Seit zum 1. Jänner 2008 die Erbschafts- und Schenkungssteuer abgeschafft wurde, ist dies nicht mehr notwendig. Dennoch sollten Sie einige Aspekte beachten, um richtig für Ihre Kinder vorzusorgen.

Erbschaften und Schenkungen werden derzeit nicht besteuert. Mit der Einführung des Schenkungsmeldegesetzes wurde diese Erleichterung für österreichische Staatsbürger etabliert. Dennoch sollten Sie über die genauen Vorgänge sowie Ihre Pflichten bei einer Schenkung oder Erbschaft informiert sein, um Ihr Vermögen korrekt zu übertragen.

Meldepflicht nicht vergessen

Das Schenkungsmeldegesetz sieht vor, dass Schenkungen ab einer gewissen Höhe bei der Finanzbehörde gemeldet werden müssen. So sollen Vermögensverschiebungen nachvollzogen werden können. Hierbei unterscheidet der Fiskus zwischen einer Schenkung zwischen Angehörigen und einer Schenkung an andere Personen außerhalb der engeren Familie. Gemeldet werden müssen:

  • Schenkungen ab 50.000 Euro an Angehörige innerhalb von einem Jahr.
  • Schenkungen ab 15.000 Euro an andere Personen innerhalb von fünf Jahren.

Bei der Schenkung an andere Personen müssen alle Schenkungen innerhalb des Fünf-Jahres-Zeitraums addiert werden. Nur wenn der Gesamtbetrag 15.000 Euro übersteigt, ist die Meldung erforderlich. Wird die Meldung nicht gemacht, droht eine Geldstrafe von bis zu 10 Prozent der meldungspflichtigen Summe.

Möchten Sie Ihren Kindern größere Vermögenswerte übertragen, ohne die Finanzbehörde darüber unterrichten zu müssen, lohnt es sich, die Übertragung auf mehrere Jahre und auf Beträge von unter 50.000 Euro aufzuteilen.

Wer als Angehöriger gilt

Als Angehörige im Sinne des Schenkungsmeldegesetzes gelten unter anderem folgende Personengruppen:

  • Ehegatten,
  • Eltern,
  • leibliche und Stiefkinder,
  • (Ur-)Großeltern,
  • (Ur-)Enkel,
  • Onkel und Tanten,
  • Neffen und Nichten,
  • Cousins und Cousinen,
  • Verschwägerte (nicht aber deren Ehepartner),
  • Schwiegereltern,
  • Lebensgefährten und deren Kinder.

Besonderheiten bei der Schenkung und Vererbung von Liegenschaften

Beachten Sie allerdings, dass durch den Wegfall der Erbschafts- und Schenkungssteuer die Grunderwerbsteuer zum Zuge kommt. Bei der Schenkung eines Grundstücks innerhalb der Familie zahlt der Beschenkte zwei Prozent Grunderwerbsteuer. Bemessungsgrundlage ist dabei der dreifache Einheitswert. Eine Ausnahme bilden land-/forstwirtschaftliche Grundstücke, die ab 1. Jänner 2015 nur noch mit dem einfachen Einheitswert angesetzt werden.

Andere Personen außerhalb des Familienverbands müssen 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer einplanen. Bemessungsgrundlage hierfür ist der Verkehrswert, auch als gemeiner Wert bezeichnet. Dieselben Regelungen sind im Rahmen einer Erbschaft, also im Erwerb von Todes wegen, anzuwenden.

Bild: thinkstockphotos, iStock, Gajus